Nachts im Lostplace

Eine Geisterstadt lädt zur Besichtigung ein. Eine Stadt, in der sich einst die High-Society Italiens tummelte, sogar als das „europäische Las Vegas“ galt, schlummert seit Jahren im Wald. Die Natur holt sich ihr Gebiet zurück, neben Grafittis und Zerstörungswut finden sich frische Abkömmlinge von Pflanzen und Bäumen. Nicht jeder Boden dieses imposanten Bauwerks schaut vertrauenserweckend aus, doch aus dem hohen Turm des Hauptgebäudes vernimmt man Stimmen. Ein paar Jugendliche haben sich hier niedergelassen und genießen die warme Sommersonne. Auf dem Dach picknickt ein junges Pärchen. Im Hof findet ein Fotoshooting für einen Rapper statt.

Ich sitze da und genieße. Langsam leert sich das Gelände, es geht auf den Abend zu. Immer näher rückt meine Challenge: die Nacht an diesem Ort zu verbringen. Sterne möchte ich fotografieren, gemeinsam mit dieser atemberaubenden Kulisse. Das Wetter spielt mit, der Wind trägt die letzten kleinen Wölkchen in Richtung Berge. Die Steine des Gebäudes haben die Wärme des langen Sonnentages gespeichert. Im letzten Abendlicht baue ich Kamera und Stativ auf und prüfe nochmal das Motiv und die Blickrichtung.

Mittlerweile ist es dunkel und totenstill auf dem Gelände. Nur das Klicken des Kamera-Auslösers ist zu hören. Über mir eine sternenklare Nacht. Für mich immer wieder faszinierend: „der Weltraum, unendliche Weiten“ – so fängt das Intro von Raumschiff Enterprise an. Sie wird heute Abend von unzähligen kleinen Satelliten vertreten, die in einem geordneten Durcheinander über den Himmel kreuzen. Fast ist es unmöglich, ein Foto ohne den typischen Lichtstrich zu ergattern.

Der Abend ist ein erster richtiger Versuch in Sachen Sternenfotografie. Viel experimentiere ich heute Nacht, probiere aus, bin auf die Auswirkungen verschiedener Einstellungen gespannt. So dass ich fast die Zeit vergesse.

Der Ruf eines Käuzchens holt mich zurück in die Realität.